Gedichte


Versteinerter Seeigel am Weststrand bei Prerow. Foto: Dirk Godlinski, www.digitalografie.de
Foto: © Dirk Godlinski

Vom Suchen und Finden

 

Geh ich den Weg wo jeder war,

Ist die Ausbeute meist rar.

Geh ich die Wege, die verschwiegen?

Meine Chancen sind gestiegen!

 

Hühnergott und Donnerkeil,

Kieselschwamm und Steinzeitbeil,

Oder gar ein Klapperstein

Könnten meine Beute sein.

 

Hühnergötter bitte kleine,

Kieselschwämme besser keine.

Seeigel sind mein Begehr.

Doch die findet man sehr schwer!

 

An den schönen Ostgestaden,

Wo Touristen nackig baden,

Freu ich Sammler mich vor Glück

Über das gefundne Stück.

 

Trotzdem dies selten widerfährt

Ist das fossile Ding nix wert.

Für ein paar Euro, wenig mehr

Geben es die Läden her.

 

Doch den wahren Wert indessen

Kann nur des Sammlers Herz bemessen!

Sinnierend, mit Blick über das Steinhuder Meer

 

Ich freu mich auf den Frühling

Die Blumen und den Schmetterling

Das Füchslein und den Frischling

Die Vögel, die ihr Lied sing´

 

Ob Biking, Walking, Talking

 

An meiner Hand den Liebling

Wir über Stock und Stein spring´

Das wirkt wie Super-Doping

Und ist ein tolles Feeling

 

Ich freu mich auf den Frühling!

Frühling im Schlosspark Etelsen. Foto: Dirk Godlinski www.digitalografie.de
Foto: © Dirk Godlinski

Frühling im Stadtpark

 

Ein Blausterngedicht, so dachte ich mir,

das schreibt sich doch fast von allein!

Also ging ich hinaus ins grüne Revier,

und sammelte Eindrücke ein:

 

Wie Tinte, Confetti? Ein Himmel, ein Meer?

Verlorene Sterne auf Erden?

Wo kriege ich Inspirationen bloß her,

das soll ein Gedicht doch werden!

 

Dann plötzlich ein Bild, die geniale Idee,

leicht fügt sich nun Reim an Reim:

Das sind Fußabdrücke der blauen Fee,

die lebt hier im schattigen Hain.

 

Sie tanzt jede Nacht über Steine und Tau,

von Mitternacht bis um halb neun.

Am Morgen dann sprießen die Sternchen so blau,

damit wir uns daran erfreu’n!

Erdbeerkuchen im Kulturkaten Prerow

Achtsamer Moment

 

Zart-rosa Kuss, die Beere

verschwindet in meinem Mund.

Verschwindet zugleich alles Schwere

Aus keinem bestimmten Grund.

 

Das Leichte, das Reine, das Klare

Hält Einzug in mein Gemüt.

Und alles, was ist, ist das Wahre,

Und alles, was war, ist verblüht.

Vom Zebra und vom Labertier

 

Dem Zebra und dem Labertier

Kommt keiner ins Gesprächsrevier!

 

Denn wenn das Zebra einmal schweigt

Ist Labertierchens Redezeit.

Und umgekehrt, das muss man wissen,

Lässt Zebra auch kein Thema missen.

 

So kommt‘s, dass niemand weit und breit

Jemals zu Redeflüssen neigt,

Traut er sich ins Gesprächsrevier

Vom Zebra und vom Labertier.

Toscana Mia

 

Fährt man im Juni durch den Chianti

Kann man noch kein blaues Wunder erleben.

An keinem Rebstock hängen schon Reben.

Denn diese streben, so ist es den Reben gegeben,

Erst im Herbst der Sonne entgegen.

 

Der blaue Lavendel lockt die Farfalle

Hinein in die reizende Schmetterlingsfalle.

Vom süßen Nektar berauscht und betört

Gibt es kaum eine, die nachher nicht schwört:

„Auf diesen Trick fall‘ ich nimmermehr rein!“

Hört, hört!

 

Der Wein haut rein, das muss so sein.

Wenn‘s anders wär‘, wär‘s schwer.

Gespräche werden seichter,

Die Beine werden leichter.

Mehr Wein muss her, noch mehr!

 

Nichts reimt sich auf Pozze di Lecchi.

Doch ist es ein herrliches Flecki:

Die Stille, die Wärme, das Plätschern, das Licht!

Und nichts verstellt uns die herrliche Sicht

Auf die sanften Hügel der Toskana...

Da war‘n wa!

 

In Arezzo, Lucca und bei den Sienesen

Da sind wir überall nicht gewesen.

Ist nicht so schlimm, das kann man ja auch

Zu Hause im Baedecker nachlesen.

 

War früher Firenze den Florentinern überlassen,

Finden sich heute auf allen Plätzen und Gassen

Die Lemminge ein.

Beschirmt und behütet, schrill gekleidet, bebrillt.

Kaum ein Palazzo, der nicht überquillt.

Das muss doch nicht sein?

 

Am Bachlauf, nachts, das Froschkonzert,

Das ist mir jeden Euro wert.

Und auch dem Grillenzirpen lauschen

Möcht‘ ich auf keinen Falle tauschen.

 

Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein.

Grad wähnte ich mich noch allein,

Da fallen die Italiener ein - gemein!

 

Das Nudelsieb, das ist ganz ehrlich

Beim Nudeln kochen nicht entbehrlich.

Denn ist die Pasta grad al dente

Verbrennt man sich am Nudelwasser

Mal eins-fix-drei die zarten Hände.

Comprende?

 

Die Hitze steht im Olivenhain.

Die Sonne brennt sich in mein Bein.

Sag, Hitze, könntest du dich eben

Auch mal bewegen?

 

Bei 40 Grad im Schatten

Liegen wir ermattet auf den Matten

.An mehr ist nicht zu denken,

Vielleicht den Po im Pool versenken...

Den Rest kann man sich schenken.

 

Tagsüber am Pool in der Sonne schwitzen,

Nachts mit dem Liebsten das Leben genießen.

Acqua frizzante im Becher haben

Und sich am Chianti classico laben.

Das ist bei Weitem nicht übertrieben:

So kann man leben, so soll man lieben.