Mond(t)räume


Die Stunden / Memento mori
 
Es ist uns unbekannt, woher sie kommen.
Versperrt ist auch der Blick, wohin sie gehn.
Sie scheinen uns unendlich vorzukommen.
Und doch werden sie täglich uns genommen.
Die Stunden, Wochen, Jahre: Sie verwehn.
 
„Carpe diem!“ ruft mancher voller Wonnen.
„So nutze auch die Nacht!“ füg ich hintan.
Denn hat das Stundenglas erstmal begonnen,
Ist schnell der Lebenssand für uns verronnen.
Und unaufhaltsam nagt der Zeitenzahn.
 
Bedenkt man, dass man nicht unsterblich sein kann,
Kann dieses Wissen uns zutiefst befrein!
Ein jeder Tag fängt stets von vorne an.
Bringt neue Chancen, selbstbestimmt zu Handeln,
Und die Erkenntnis, nur ein Mensch zu sein.

Wenn sich endlich findet, was seit Äonen
Jahren getrennt war durch Sonnenexplosionen;
Wenn Sternenstaub wieder zum Leben erwacht
Und der Mond Gefühle der Liebe entfacht;
Dann haben die Götter ihre letzte Träne geweint:
Denn die Zwillingsseelen sind wieder vereint.

Yggdrasil

Hier weilst du nun, vergessner Schatten,
dem Mondlicht deiner Welt entraubt.
Du träumst von den vergangnen Taten
und Göttern, die an dich geglaubt.
 
Herausgerissen aus dem Äther,
aus Raum und Zeit, dem ganzem All,
strahlt deine Kraft Jahrtausend später
als Leuchten in der Nacht. Fanal
 
für den Prozess des Lebenswerdens,
für Wandel, Umbruch, Neubeginn.
Und spendet Trost, damit auf Erden
die Sterblichen erfahren Sinn.

Vollmond 4.0
 
Viele Sommernächte nur verschlafen.
Hoffe doch, wir werden heut belohnt!
Stehen rum mit andern Fotografen.
Nun, der wird uns doch nicht etwa strafen?
Doch dann kommt er raus, der volle Mond!
 
Er leuchtet rosarot, die Menge raunt.
Wer hat hier denn von der Kunst kopiert?
Mit großen Augen haben wir gestaunt.
„Das ist ein Fake!“, hat einer rausposaunt.
Wurde der digitalografiert?
  
Selten ist dies Bild, selbst für den Blutmond.
Das ist hier Natur, voll analog!
Sein Licht wird von den Sternen noch betont.
Schon bald verschwindet er am Horizont.
Drum sieh hin... und schreib‘s in deinen blog.

Liebe einer Wasserfrau

 

Stehst auf irdenem Gestein,
Mein Mann, mit festem Blick.
Tauchst dann in die Fluten ein,
Führt kein Weg zurück.
 
Sachte nehm ich in Empfang
Dein‘ Körper, Herz und Seele.
Tanzend, singend unterm Tang,
Nichts, was dich hier quäle!

 

Meeresschaum und Seegraskraut,
Blauer Mond am Firmament.

Meine Welt ist dir vertraut
Und doch noch so fremd.

 
Wenn ich in dein Antlitz seh‘
Ein Feuer in mir brennt
So lichterloh. Doch tut nicht weh!
Mein Wasserelement
 
Rettet mich vor der Gefahr.

Das Band, das uns verbindet,

Ist Liebe, wie man sie fürwahr

Bei Wasserfrauen findet.